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Too Soon For Sorry
 
Österreich 2001 | 80 Minuten

 
Camera: Wolfang Lehner
Director: Katharina Weingartner
Editor: Cordula Werner
Producer: Markus Fischer, Gerd Haag
Score: DJ Cutex
Screenplay: Katharina Weingartner
Sound: Roland Freinschlag
Tag/Traum Filmproduktion GmbH & Co.KG
Production Company: Fischer Film GmbH

Nordamerika ist sauber geworden. Seit Mitte der 90er Jahre werden Bettler, Obdachlose, Junkies und Drogendealer systematisch aus den Zentren der Großstädte entfernt. Zwei Millionen Menschen leben hinter Gittern, während sich Teile der Zivilbevölkerung in Hochsicherheitsanlagen verschanzen. Ein von Kontrolle und Segregation geprägtes System, in dem Überwachen und Strafen zu einem blühenden Wirtschaftszweig gedeihen.

Hip Hop wird seit nunmehr bald 20 Jahren mit großem Erfolg als authentische Ausdrucksform des Lebens im “Ghetto” vermarktet. Der Dokumentarfilm too soon for sorry zeigt den Widerspruch zwischen der Idealisierung junger Schwarzer und Latinos durch die Unterhaltungsindustrie und ihrer Lebensrealität im US-amerikanischen Gefängnissystem.

Mit fast 2 Millionen Gefangenen haben die USA inzwischen die Häftlingsquoten Russlands, Chinas und Südafrikas überholt. 85% der Insassen der New Yorker Staatsgefängnisse sind Afro-AmerikanerInnen und Latinos/as, bis zu 80% aller 16-29-jährigen männlichen Afro-Amerikaner stehen in manchen urbanen Zonen unter Aufsicht der Justizbehörde, im landesweiten Durchschnitt ist ein Drittel der schwarzen Jugendlichen entweder in Haft, vorbestraft oder auf Bewährung.

Medien- und Zuschauerinteressen entgegengesetzt, zeigen Statistiken mit dem konstanten Rückgang der Kriminalitätsraten seit den 70er Jahren einen Trend, der bis heute anhält. Im gleichen Zeitraum stieg die mediale Berichterstattung über Verbrechen und Gewalt: Im Jahr 1997 beschäftigten sich bereits 40% aller Fernsehnachrichten mit Kriminalität

Das Motiv des “Ghettos” und seiner Bewohner als spannendes, vermeintlich authentisches mediales Erlebnis zeigt Erfolg: Eine Mischung aus Faszination, Angst und Begehren des “Anderen” und “Fremden” garantiert Einschaltquoten. Gemeinsam mit einer von Reprivatisierung bestimmten Wirtschafts- und Sozialpolitik konstruieren derart konnotierte mediale Repräsentationen einen um Rasse, Klasse und Geschlecht rotierenden Kreislauf, der eine ganze Generation von Afro-Amerikanern und Latinos ins Abseits drängt.



 
Festivals: IFF | 2001, Diagonale | 2001